Hongkongs und Chinas Flaggen

Wandern in Hongkong

Übersichtskarte Hongkong bedeckt eine Fläche von 1.100 qkm. Davon sind über 70% unbebaut und 40% sind ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete. Die dichteste Besiedelung findet man auf der Insel Hong Kong, in Kowloon und entlang der Küste der New Territories. Natürlich finden sich überall noch kleinere und größere Siedlungen, aber der größte Teil der New Territories und der vorgelagerten Inseln ist weitgehend unbewohnt. Es gibt also eine Menge Möglichkeiten am Wochenende der Enge zu entgehen und die Natur zu genießen. Ein paar der Touren, die ich gemacht habe, stelle ich im Folgenden vor.

Ein paar Bemerkungen vorne weg. Man kann eigentlich fast alle Teile der SAR mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Allerdings ist das System für Hongkong-Neulinge nicht unbedingt leicht zu durchschauen. Deshalb habe ich eine Seite mit Tips zu den Verkehrsmitteln angelegt. Es gibt zahlreiche markierte Wanderwege, an denen häufig auch Karten der Umgebung aufgestellt sind. Wer seine Touren jedoch etwas freier planen möchte, dem sind die topographischen Detailkarten der Countyside Series des Survey and Mapping Office zu empfehlen. Sie sind in den Map Publications Centers und in manchen Postämtern erhältlich.

Natürlich ist man nicht alleine unterwegs. Grillen ist Volkssport in Hongkong und deshalb sind die zahlreichen Grillplätze und die Wege dorthin am Wochenende gnadenlos überfüllt. Man erkennt die Griller leicht an den gelb-roten und blau-weißen Plastiktüten der Supermarktketten Welcome und ParknShop. Wer also lieber unter sich ist, sollte die Grillplätze links liegen lassen. Weiterhin gibt es immer wieder Volkswanderungen, bei denen ein paar Tausend Teilnehmer mitwandern. Ich bin einmal in so eine Veranstaltung hineingeraten, so dass ich etwa 10 km des Hong Kong Trails, auf dem man teilweise nicht nebeneinander gehen kann, im Schneckentempe zurücklegen musste. Wenn man abends unterwegs ist, sollt man immer daran denken, dass es sehr schnell dunkel wird. Eine Dämmerung, die den Sonnenuntergang ankündigt, gibt es fast nicht.

Die Insel Hong Kong

Die Insel ist rundherum an der Küste weitgehend bebaut. In der Mitte finden sich jedoch schöne Wanderwege. Der markierte 50 km lange Hong Kong Trail verläuft vom Victoria Peak im Westen nach Shek O auf der D'Aguilar Peninsula im Südosten. Der Gipfel des Victoria Peak ist eher unspektakulär. Ganz hinauf kommmt man sowieso nicht, da dort oben zahlreiche Sendeanlagen installiert sind. Interessanter ist da schon der High West (493 m), auf den von Osten her ein Weg hinaufführt. Der erste Teil des Hong Kong Trails führt zumeist am Hang entlang durch den Wald. Über Pok Fu Lam hat man eine bizarre Aussicht auf die oberen Etagen der Hochhäuser, während das Vogelgezwitscher vom Surren der Klimaanlagen überdeckt wird. Die Hälfte des Trails ist ungefähr am Hong Kong Park View (erreichbar mit dem über den Berg fahrenden Bus von Central nach Aberdeen). Von dort führt der Weg zunächst über den Kamm mit schöner Aussicht nach Norden auf die Kowloon Bay und nach Süden auf Lamma, später dann wieder durch Waldgebiet. Von Shek O kommt man mit einem Minibus zur MTR in Chai Wan. Der zweite Teil ist meiner Meinung nach der schönere und auch weniger frequentierte.

Die New Territories

Die New Territories bieten wohl die vielfältigsten Möglichkeiten zum Wandern in Hongkong. Dort findet sich auch ein weiterer großer Wanderweg: der 100 km lange MacLehose Trail. Er ist in mehrere Abschnitte unterteilt und sehr gut beschildert. Es gibt auch einige ausgewiesene Zeltplätze entlang des Weges. Sehr schön zum Wandern ist auch die Halbinsel Sai Kung. Ich selbst war leider nie dort, habe aber nur Gutes gehört. Überall in den NT muß man mit wilden Affen rechnen. So niedlich und aufregend sie auch für den Touristen das erste mal auch sind, sollte man sich trotzdem einen guten Respekt vor ihnen wahren. So wild sind sie nämlich nicht mehr. Sie haben sich an die vielen Menschen angepasst und lassen sich gerne von ihnen füttern. Auf Neckereien, wie das Wiederzurückziehen von angebotenem Futter, reagieren sie aber leicht aggressiv.

Mit 957 m ist der Tai Mo Shan höchster Berg in Hongkong. Ihn hatten wir uns zu zweit als Ausgangspunkt für eine Wanderung ausgesucht. Man gelangt mit einem Bus von Tsuen Wan aus dahin. Der Bus fährt nicht vom Busbahnhof ab sondern von der Hochstraße, die über die MTR-Station hinwegführt. Man steigt auf der Route Twisk am Schild Tai Mo Shan Countrypark aus und befindet sich schon auf gut 500 m Höe. Leider ist der Tai Mo Shan nicht so spektakuär, wie wir es uns vorgestellt hatten. Genau wie auf dem Victoria Peak befindet sich oben eine Sendeanlage, so dass eine Straße bis auf den Gipfel führt. Teilweise gibt es aber Pfade etwas abseits der Straße, die den Aufstieg angenehmer werden lassen. Auf halbem Weg gibt es ein recht interessantes Visitor Center, das Auskunft über den Nationalpark gibt. Vom Gipfel aus haben wir uns zunächst nordöstlich Richtung Grassy Hill gehalten. Man stößt dann auf den Mac Lehose Trail, dem wir weiter gefolgt sind. Die Menschenmassen, die den Tai Mo Shan hinaufgepilgert sind, habe wir am Gipfel glücklicherweise zurück gelassen. Am Mac Lehose Trail sind fortlaufend Karten der näheren Umgebung aufgestellt, so dass wir unseren weiteren Weg im Laufe des Tages ständig leicht weiter planen konnten. Unser Ziel war dann Sha Tin, von wo aus wir mit der KCR wieder nach Hause fahren wollten. Kurz vor dem Needle Hill hat dann die Dämmerung eingesetzt. Sha Tin lag eigentlich nur noch den Berg runter, allerdings mussten wir von unserem geplanten Weg abweichen, um unten anzukommen, bevor es dunkel war. Leider hat das nicht so ganz funktioniert, da einige Wege während der letzten Regenperiode weggespült worden waren. Dann war es plötzlich dunkel und unsere einzige Orientierungshilfe im spärlichen Mondlicht war das beleuchtete Tal vor uns. Wegweiser waren aber nicht mehr zu lesen. Letztendlich sind wir dann nach einem abenteuerlichen Abstieg in Tai Wai gelandet, zu unserer Freude nur ein paar hundert Meter entfernt von einer anderen KCR-Station.

Die Inseln

Zur SAR gehören 260 kleinere und größere Inseln. Zu einigen bestehen feste Fährverbindungen andere lassen sich nur mit Taxibooten erreichen. Zu den populärsten gehören wohl Lantau und Lamma.

Lantau

Auf Lantau locken schöne Küsten und Strände zum Wandern und natürlich der 934 m hohe Lantau Peak. Als Startpunkt eignet sich die Silver Mine Bay. Hier legt die Fähre von Central an. Unser Weg hat uns zunächst ein Stück des Lantau Trails (der dritte große Wanderweg, 70 km) Richtung Chi Ma Wan Peninsula entlang geführt. Es geht immer nah an der Küste entlang. Oft ist der Trail nur ein Trampelpfad. Dabei geht es sowohl durch Wiesen, Buschwerk und kleine Waldstücke. Hier trifft man auch auf den ein oder anderen Weiler - ein krasser Gegensatz zu den Mietskasernen in den Städten. In Chung Hau haben wir den Lantau Trail verlassen und quer über die Halbinsel abgekürzt. Unser Ziel war schließlich der Lantau Peak und es wurde langsam spät. Deswegen sind wir von Pui O auch ein Stück mit dem Bus bis zum Abzweig der Tung Chung Road gefahren. Von hier, praktisch Meereshöhe, ging es dann die Tung Chung Road bis auf den Kamm zwischen Sunset Peak und Lantau Peak hinauf (etwa 500 m ü NN). Der Aufstieg über die Straße war allerdings alles andere als lustig. Weiter westlich gibt es wohl noch einen Fusßweg, der wahrscheinlich schöner zu gehen ist. Von dort oben führt der Weg dann über den Kamm bis auf den Gipfel hoch. Während wir unten noch in T-Shirts gewandert sind, waren wir jetzt auf dem Kamm dankbar, dass wir unsere Jacken mit hatten. Der Wind war so stark, dass wir ein paar mal vom Weg geblasen wurden. Leider hatte es sich am Nachmittag dann auch noch zugezogen, so dass wir durch dichten Nebel gelaufen sind. Nach einer kurzen Rast und dem obligatorischen Photo am nicht vorhanden Gipfelkreuz sind wir dann über den Nordwesthang wieder abgestiegen. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kamen wir am Po Lin Monastary mit seinem großen bronzenen sitzenden Buddha an. Von hier ging es dann mit dem Bus nach Tung Chung und dann mit der MTR wieder nach Hause.

Chi Ma Wan Aufstieg auf den Lantau Peak
Auf dem Lantau Peak Abstieg zum Po Lin Kloster

Lamma

Lamma ist bekannt für seine Fischrestaurants, tolle Strände und alternatives Wohnen. Man erreicht die Insel mit der Fähre ab Central. Der größte Ort auf Lamma ist Yung Shue Wan im Norden. Die Häuser sind überwiegend höchstens zweigeschossig. Im Vergleich zu Hong Kong Island oder Kowloon kann man hier zu Spottpreisen in ruhiger Lage wohnen. Deshalb wohnen hier viele, die der Enge der Großstadt entfliehen wollen. Der große Nachteil ist allerdings die Fährverbindung. Das letzte Boot von Central nach Lamma fährt um 23:30. Von Yung Shue Wan aus gibt es einen Weg nach Süden. Er führt teilweise auf dem Kamm entlang, teilweise auch am Strand. Man läuft sowohl durch Buschland als auch durch Wald. Der große Schandfleck Lammas bleibt einem dabei auch nicht verborgen. Auf einer Landaufschüttung im Nordwesten der Insel streckt ein Kraftwerk seine drei Schlote in den Himmel. Da man in Hongkong aber nicht zimperlich ist, findet sich direkt daneben auch ein Badestrand. Der Weg führt weiter zur Picnic Bay an einem großen Steinbruch vorbei nach Sok Kwu Wan. Hier reihen sich an der Uferpromenade Fischrestaurant an Fischrestaurant und vor allen versuchen die Kellner einen dazu zu bewegen dort zu verweilen. Das Essen dort ist aber auch wirklich gut. Fische, Krabben, Muscheln und anderes Getier wählt man sich selbst aus den Aquarien und Bottichen aus und sie werden dann frisch zubereitet serviert. Von hier aus kann man dann wieder eine Fähre zurück nach Central nehmen.

Picnic Bay Lamma
Picnic Bay Bei Hung Shing Ye

Copyright by Tobias Wrede

Photos: eigene und Hong Kong Tourist Association

Last updated: 27 October 2004